Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V / Netzwerk

Die Initiative hat sich aus einem Netzwerk gegründet, das bereits seit über 10 Jahren aus Feminist_innen und Antifaschist_innen besteht, die zum ehemaligen Jugendkonzentrationslager* für Mädchen und junge Frauen und späteren Vernichtungslager Uckermark tätig sind.

Das Netzwerk arbeitet daran, die Geschichte des Lagers zu erforschen, Kontakt zu Überlebenden zu suchen und zu erhalten und auf dem Gelände einen würdigen Gedenkort zu gestalten. In jährlichen Bau- und Begegnungscamps (siehe Baucamps/ workingcamps) wird diese Aufgabe wahrgenommen, ebenso wie im Rahmen von bundesweiten und internationalen Informationsveranstaltungen, Veranstaltungsreihen, Filmvorführungen und Gesprächen mit Überlebenden zum Thema Jugendkonzentrationslager und daran anknüpfenden Themen. Im Netzwerk sind Ausstellungen, Filme, Radiosendungen und verschiedene wissenschaftliche Publikationen entstanden, die auch auf der Website zu finden sind.

Das Netzwerk trifft sich in regelmäßigen Abständen, um diese Arbeit zu diskutieren und zu koordinieren.

Ein erklärtes Ziel des Netzwerkes ist es, das ehemalige Jugendkonzentrationslager bekannt zu machen, einen würdigen Gedenkort zu schaffen, eine antifaschistische Erinnerungskultur zu stärken und staatliche Erinnerungspraxen kritisch zu hinterfragen.

Gedenken und Erinnern soll in Form eines Offenen Gedenkens geschehen. Darunter wird eine Form des Gedenkens verstanden, die Möglichkeiten schafft, an einem Gedenkort selbst als Person aktiv zu sein und Platz zu lassen für verschiedene Gedenkkulturen und Gedenkpraxen. Der Ort erinnert in diesem Sinne sowohl an die Opfer und Überlebenden als auch an die Kontinuitäten der Verfolgung z. B. von so genannten "Asozialen".

Das Netzwerk arbeitet eng mit der Lagergemeinschaft Ravensbrück/ – Freundeskreis e.V. zusammen.

* Die von uns gewählte Bezeichnung des Lagers als "ehemaliges Jugendkonzentrationslager für Mädchen und junge Frauen" und nicht der früher viel verwendete Begriff "Mädchenkonzentrationslager" ist das Ergebnis einer Diskussion mit der Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V. aus dem Jahre 2006. In dieser Diskussion wurde übereinstimmend entschieden, zukünftig diesen Begriff zu verwenden, um den Zusammenhang mit den anderen Jugendkonzentrationslagern in Moringen und Lodz zu verdeutlichen und der Tatsache zu entsprechen, dass auch vereinzelt Jungen hier inhaftiert gewesen sind. Da der Begriff "Mädchenkonzentrationslager" aber nicht falsch ist, ist er in älteren Publikationen von uns noch zu finden und wird erst nach und nach ersetzt.

Ein Gedenkort - Zur Geschichte des Netzwerkes

Ihr seid nicht vergessenIm Sommer des Jahres 1996 bei einem Besuch in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (MGR) wurden Frauen aus der Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e.V. (LGRF) von einer Mitarbeiterin der MGR gefragt, ob es Interesse gäbe, ein Baucamp auf dem Gelände des ehemaligen Jugendkonzentrationslagers und späteren Vernichtungslagers Uckermark durchzuführen.

Das Gelände war bis zu diesem Zeitpunkt ein verlassener Ort, der kaum Beachtung gefunden hatte. Er war/ ist weder Teil der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, noch wurde er bei der Gründung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten mit in die Stiftung aufgenommen und kommt bis heute nicht in ihrer Zielplanung vor. Besitzerin des Geländes war und ist der Bund, namentlich die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (BIMA).

Der Ort war mit Müll übersät, durch die Panzerhallen der Roten Armee (GUS – Truppen) vollkommen überbaut und mit Zäunen umringt. Nur ein kleines Schild mit dem Titel "Ihr seid nicht vergessen", das die Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e.V. dort 1995 aufgestellt hatte, wies auf das ehemalige KZ hin.

1997 begannen die verschiedenen Workingcamps auf dem Gelände ihre Arbeit. 1997 und 2001 wurden unter Anleitung von Archäolog_innen Ausgrabungen durchgeführt.

Seit 2001 finden jährlich selbstorganisierte Bau – und Begegnungscamp für FrauenLesben – bzw. FrauenLesbenTransgender auf dem Gelände statt.

Aus diesen jährlichen Bau- und Begegnungscamps ist das Netzwerk entstanden, das sich regelmäßig trifft um verschiedene Themen um das ehemalige Jugendkonzentrationslager und spätere Vernichtungslager Uckermark zu koordinieren. Dazu zählt unter anderem die Erarbeitung eines Konzeptes für einen würdigen Gedenkort.

Seit 2006 finden auf dem Areal des ehemaligen Jugendkonzentrationslagers zu den Jahrestagen der Befreiung Gedenkfeiern bzw. öffentliche Rundgänge über das Lagergelände statt, die von dem Netzwerk organisiert werden.

2008 startete das Netzwerk die Kampagne "100X100", um Gelder für einen Gedenkstein zu sammeln.

2009 konnte dieser Gedenkstein von einer Künstler_in/Schmied_in des Netzwerkes gestaltet  und im Rahmen der Gedenkfeier eingeweiht werden. Mit dem Gedenkstein ist einer der größten Wünsche von Überlebenden in Erfüllung gegangen.

Immer wieder kam es zu Verwüstungen auf dem Gelände – zum letzten Mal im Jahr 2008. Informationsschilder und eine Infobox wurden zerstört bzw. entwendet und eine Tafel mit dem Wort "Hitler" beschmiert.

Das Gelände ist nicht öffentlich zugänglich. Die BIMA als Eigentümerin hat dieses veranlasst und nur bei einzelnen Veranstaltungen kann bei der BIMA eine offizielle Erlaubnis zum Betreten des Geländes eingeholt werden.

Eines der Hauptanliegen der Initiative ist es daher, diesen Ort so schnell wie möglich dauerhaft zugänglich zu machen.

Die Arbeit des Netzwerkes wird von der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück begrüßt. Die Zusammenarbeit ist jedoch nicht immer konfliktfrei. Dennoch ist es ein gemeinsam erklärtes Ziel, dass ein Gedenkort entstehen muss.

Seit 2006 findet in Kooperation mit der Mahn und Gedenkstätte das eintägige Uckermarkforum statt, in dem neue Forschungsergebnisse vorgestellt werden und öffentlich  über Konzepte der Gestaltung des Ortes diskutiert wird.

Momentane Schwerpunkte

Einer der Schwerpunkte der Arbeit des Netzwerkes war 2009/2010 die Durchsetzung einer Konversionsmaßnahme auf dem Gelände. Diese Konversion beinhaltet den Rückbau der Panzerhallen und die Entfernung anderer Hinterlassenschaften aus der Zeit der Nutzung des Geländes durch die Sowjet- Truppen und trägt somit dazu bei, das ehemalige Jugendkonzentrationslager und das spätere Vernichtungslager in seiner historischen Dimension erkennbar werden zu lassen. Im August 2011 wurde die Konversion durchgeführt (siehe Aktuelles).

Die AG Uckermark wurde für die Erarbeitung eines Konzeptes "Gedenkort Uckermark" ins Leben gerufen. In dieser AG arbeitet das Netzwerk/die Initiative mit doch erklärte sie die Zusammenarbeit 2015 als gescheitert (siehe Aktuelles).

Über die Arbeit am historische  Ort bemüht sich das Netzwerk weiterhin an verschiedenen Orten bzw. auf Veranstaltungen  die Geschichte des ehemaligen KZ Uckermarks bekannt zu machen und Themen wie "Kontinuitäten der Ausgrenzung" in die Öffentlichkeit zu tragen.

Darüber hinaus ist der Aufbau eines Archivs in den Räumen des Antifaschistischen Pressearchivs (APABIZ) in Berlin ein weiterer Schwerpunkt des Netzwerkes. Hier sind schon jetzt etliche Materialien zum ehemaligen Jugendkonzentrationslager bzw. des späteren Vernichtungslagers öffentlich einzusehen.

Die Arbeit an einer Broschüre zur Ausstellung, die die Hamburger Gruppe der Initiative vor kurzem konzipiert hat, wird voraussichtlich im Frühjahr 2014 erscheinen.