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Hilde Reddig

Hilde Reddig

Hilde Reddig wurde am 4. November 1923 im westpreußischen Fichthorst (Kreis Elbing) geboren. Sie war keine zwei Jahre alt, als die Mutter an den Folgen einer Lungentuberkulose starb. Nach der erneuten Heirat des Vaters 1927 wuchs Hilde Reddig bei den Großeltern auf. Seit 1938 lebte sie dann bei ihrem Vater und der Stiefmutter in Bremen.

Hilde Reddig war fünfzehn Jahre alt, als sie im Januar 1939 ins Bremer Marthaheim eingeliefert wurde. Bereits nach kurzer Zeit veranlasste die Heimleiterin Lina Töller eine Unterbringung von Hilde Reddig beim Jugendamt in ein geschlossenes Heim.

Wenig später wurde Hilde Reddig zur Bergischen Diakonie Aprath gebracht. Dort wurde Ihr ganz besonderes Interesse für die Gartenarbeit offensichtlich.

Nach einer unterstellten oder tatsächlichen Liebschaft mit einem polnischen (Zwangs-)Arbeiter wurde sie erneut in die geschlossene Anstalt Aprath eingewiesen, wehrte sich aber dabei mit Händen und Füßen, so dass die Heimleitung sie im Isolierraum unterbrachte.

Im April 1942 konnte sie zwar kurz nach Bremen ins Marthaheim zurückkehren. Aber erneut forderte die Heimleiterin Lina Töller für sie eine geschlossene Unterbringung beziehungsweise ordnete an, sie in ein Arbeitslager zu stecken.

Aus wenigen auffindbaren eigenen Äußerungen Hilde Reddings vermittelt sich ihr großer
Freiheitsdrang, die Verzweiflung über ihre Situation und ihr großer Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben. Sie erwähnte Selbstmordgedanken und an anderer Stelle wird darüber berichtet, dass sie „in dauernder Angst vor Heimunterbringung in strengerer Form“ lebte.

Hilde Reddig floh im Sommer 1942 aus dem Marthaheim und wurde kurz darauf gefasst. Die Fürsorgebehörde beantragte umgehend die Überstellung in das Jugend-KZ. Nach drei Monaten im Bremer Untersuchungsgefängnis erfolgte Anfang September 1942 ihre Deportation in das Jugendkonzentrationslager Uckermark. Die Formulierung, „ist mittels Sammeltransport nach dem Jugendschutzlager Uckermark, Post Fürstenberg/Meckl., in Marsch gesetzt worden“, weist darauf hin, dass noch weitere weibliche Jugendliche ihr Schicksal teilten. Ihre Namen sind nicht bekannt.

Hilde Reddig überlebte die Alltagsbedingungen im Konzentrationslager etwas mehr als ein
halbes Jahr. Sie starb am 5. April 1943 im Alter von 19 Jahren.

Quelle: Engelbracht, Gerda: „Denn bin ich unter das Jugenamt gekommen.“

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